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Nachruf auf einen lebensfrohen Streiter des Naturschutzes – Adieu Fernand

Wir haben einen Freund verloren, einen Menschenfreund, einen Naturfreund, einen persönlichen Freund.Fernand2011

Es gibt Menschen, die überzeugen mit einem strahlenden Lachen auch ernsthafte Kritiker, es gibt Menschen, die stehen mit dichtem Haarpelz wie ein Baum in der Weite und verbreiten die pure Lust am Naturschutz und es gibt Menschen, die schaffen es durch ihren Tatendrang, ihr umfassendes Wissen und ihre ergreifende Leidenschaft, die Generationen von Morgen für die Tiere und Pflanzen unserer heutigen Welt zu begeistern – Fernand Willig war so ein Mensch.

Mit seinem für uns alle unfassbaren, viel zu frühen Tod am vergangenen Donnerstag verstummt einer der charmantesten Streiter der letzten Jahrzehnte für den Natur- und Umweltschutz in Solingen.

Fernand Willig, der nur 69 Jahre wurde, erkannte früh die Bedeutung des Umweltschutzes und der politischen Auseinandersetzung mit diesem Thema. So gründete er mit einigen an der Natur interessierten 1978 den Ortsverein Solingen des Rheinisch-Bergischen Naturschutzvereins (RBN) und war von 1978 bis 2005 dessen Vorsitzender. Wichtige Themen waren ihm dabei der Schutz, die Pflege und die Entwicklung der Solinger Landschaft und hier insbesondere die Renaturierung der Ohligser Heide und der Erhalt und die naturnahe Entwicklung der typischen Solinger Bachtäler. Und so verwundert es nicht, dass er als eine der ersten Aktionen des neu gegründeten RBN einen Geländeeinsatz in der Ohligser Heide zur Freistellung der Heideflächen und zur Wiederherstellung des natürlichen Grundwasserspiegels mitorganisierte. Damals noch von Vielen belächelt, bestätigt die heute auf weiten Flächen blühende Heide die Visionen aus den Anfangsjahren des RBN.

Beruflich in der Druckerei des Verlages B. Boll tätig, setzte er sich dabei auch leidenschaftlich für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein. Als sachkundiger Einwohner saß er für die SPD-Fraktion im Umweltausschuss und stritt hier engagiert unter anderem für den Erhalt der regionalen Grünzüge. Nicht zuletzt im Landschaftsbeirat der Stadt Solingen hat er für viele Jahre die Interessen des ehrenamtlichen Naturschutzes vertreten.

Dabei war ihm die Vermittlung naturschutzpolitischer Gedanken über Parteigrenzen hinweg immer ein großes Anliegen: Durch Vorträge, Exkursionen und Stellungnahmen versuchte er die Solinger Bevölkerung für die Belange der Natur zu sensibilisieren. Von zentraler Bedeutung war ihm hierbei, Kinder und Jugendliche für die Naturschutzarbeit zu gewinnen. Ihm ist es wohl auch zu verdanken, das der Solinger RBN den Generationswechsel geschafft hat, denn die Jugendlichen, die er in den achtziger und neunziger Jahren im Rahmen ehrenamtlicher Pflegeeinsätze motivierte, sich für den Naturschutz einzusetzen, setzen heute seine Arbeit fort, sei es im Vorstand des RBN, als Wupper-Tell oder im Trägerverein der Biologischen Station Mittlere Wupper.

Als 1996 die Naturschutzverbände auch im Bergischen Städtedreieck von Remscheid, Solingen und Wuppertal das Modell einer Biologischen Station diskutierten, erkannte Fernand Willig früh die Chancen einer solchen Station auch für die Naturschutzarbeit in Solingen und engagierte sich erfolgreich mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern von BUND, NABU und AKFSG für die Biologische Station Mittlere Wupper, die ihre Arbeit im Oktober 1997 aufnahm.

1994 erhielt Fernand Willig für seinen besonderen Einsatz für die Ohligser Heide den Umweltpreis der Stadt Solingen verliehen.

Heinrich-Preisverleihung Gründerzentrum Solingen 28.09.2013

Aufgrund seines Umzugs in seine elsässische Heimat gab er den Vorsitz 2005 ab, blieb aber bis heute als einer der stellvertretenden Vorsitzenden bzw. als Ehrenvorsitzender dem RBN verbunden. Und so war er auch gemeinsam mit anderen Vorstandsmitgliedern im Jahre 2011 bei der Bekanntgabe des jährlichen Ideenpreises der Heinrich-Böll-Stiftung NRW für hervorstechende soziale, ökologische oder kulturelle und nachhaltige Projekte im Böll-Forum in Dortmund anwesend. Als Fernand Willig vor einem Jahr im Rahmen der „Heinrich“-Verleihung an den RBN durch Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung, noch einmal charismatisch für den Erhalt der Natur für zukünftige Generationen warb, ahnte niemand, dass dies die letzte Rede von Fernand Willig in Solingen sein würde. Den Mann, der so zeitlos vital erschien, ereilte eine tückische Krebserkrankung, der er nun nach kurzer heftiger Erkrankung erlag.

Fernand, Deine fabulierende Erzählkunst lebt im wispernden Rascheln der Espen am Rande der Ohligser Heide weiter und Deine Visionen für den Naturschutz tanzen in den Köpfen vieler  Menschen in Solingen farbenfroh fort. Adieu Fernand.

 

Thomas Blos, Vorsitzender des RBN – Ortsverband Solingen

Dr. Jan Boomers, Geschäftsführer Biologische Station Mittlere Wupper

Reiner Daams, Bündnis 90 / Die Grünen, KV Solingen

Tim Kurzbach, SPD Ratsfraktion Solingen

(Solingen, den 04.09.2013)